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Kühlbehälter für Corona-Impfstoff und smarte Logistiklösungen: Tec4med sichert sich Erfolg durch konsequentes Fundraising

htai_starthub blog_tec4med_jungbluth_01.jpg © Tec4Med
Showcase Start-ups

Um sich im investitionsintensiven Hightech-Bereich der kühlpflichtigen Logistik behaupten zu können, haben sich die Gründer von Tec4med frühzeitig auf die Investorensuche konzentriert. Doch auch Förderungen und eingekaufte Fachexpertise haben den Durchbruch des Start-ups ermöglicht.

Ihr Timing hätte nicht besser sein können: 2019, ein Jahr vor Ausbruch der globalen Corona-Pandemie, brachten Nico Höler und Julian Poths mit ihrem Darmstädter Start-up Tec4med die NelumBox zur Serienreife: einen elektrisch betriebenen und smarten Kühlbehälter für Medikamente und Impfstoffe. Während in den folgenden Monaten weltweit fieberhaft an einem Serum gegen das Virus geforscht wurde, erweiterten sie ihr Geschäftsmodell um das SmartHub und den SmartBeacon – zwei innovative Lösungen zur Verfolgung von Daten jeglicher Art und für kühlpflichtige Transporte – sowie die auch separat nutzbare Tec4Cloud, mit der rund um den Globus Logistikprozesse live überwacht werden können. „Das hat zeitlich wirklich gut gepasst, denn so konnten wir mit dem Start der Vakzinkampagnen in vielen Bereichen Unterstützung bieten. Unsere Produkte kamen von Anfang an in zahlreichen Impfzentren in Deutschland und der EU zum Einsatz, auch die Weltgesundheitsorganisation WHO hat unsere Dienste angefragt“, sagt Tec4Med-Mitgründer Nico Höler.

Die NelumBox. Bild: Tec4med
Die NelumBox. Bild: Tec4med



Dabei hatte das junge Start-up ursprünglich keine weltweite Infektionskrankheit im Blick, sondern ganz allgemein den Logistikbereich für kühlpflichtige Arzneien. „Angefangen hat alles, als einer unserer Gründer während seines Studiums im Nebenjob als Onboard-Kurier tätig war: Dabei hat er unter seiner persönlichen Überwachung dringende Sendungen weltweit ausgeliefert, die eine bestimmte Temperatur nicht überschreiten dürfen“, erzählt Nico Höler. „Doch herkömmliche Kühlboxen arbeiten selbst in diesem professionellen Bereich nur passiv mit Styropor und Trockeneis. Wenn es mal länger dauert oder einen Zwischenfall gibt, muss die Ware oftmals entsorgt werden. Da war uns schnell klar: Das geht besser.“

Bild: Tec4Med
Bild: Tec4Med



Zusammen entwickelte das junge Tec4med-Team in den folgenden Jahren die NelumBox. Diese kann nicht nur durch den Anschluss an ein Stromnetz beliebig lange betrieben werden, sondern durch Akkus auch bis zu 48 Stunden ohne externe Stromversorgung einsatzfähig bleiben. Kommt es beim Transport zu einer Verzögerung, reicht ein kurzes Nachladen an einer Steckdose, um den Inhalt im optimalen Temperaturbereich zu halten. Gleichzeitig sendet die smarte Box Daten zur Luftfeuchtigkeit, zu Temperaturschwankungen und sonstigen relevanten Einflüssen in Echtzeit an eine Cloud. Damit können die Kunden ihre Sendungen unkompliziert und von jedem Ort der Welt aus im Blick behalten, ein Internetzugang genügt. „Diese Tec4Cloud haben wir inzwischen als eigenständiges Geschäftsfeld ausgebaut, so dass auch andere Branchen davon profitieren können“, erklärt Mitgründer Julian Poths die Weiterentwicklung des jungen Start-ups. „Weil wir in diesem Bereich eine besonders große Nachfrage bemerkt haben, werden wir uns mittelfristig auf den Software-Ansatz fokussieren: In ein bis zwei Jahren soll unsere KI-gestützte Cloud in der Lage sein, nicht nur Unterbrechungen der Kühlketten sicher zu protokollieren, sondern anhand zahlreicher Daten schon vorab zu berechnen, wann ein solcher Fehler höchstwahrscheinlich auftreten wird. Dann können die Logistiker frühzeitig reagieren und die Waren vor dem Verderben retten.“

Das Team hinter Tec4Med. Bild: Tec4Med
Das Team hinter Tec4Med. Bild: Tec4Med



Gerade diese Anpassung an die Nachfrage potenzieller Kunden ist für Tec4med elementar: Flexibel zu bleiben und einmal erworbenes Knowhow in neuen Bereichen zu vermarkten, betrachten die zwei Gründer als selbstverständlich. „Der Markt gibt immer ein direktes Feedback. Als Unternehmer muss ich das ohne Wenn und Aber akzeptieren und darauf reagieren“, sagt Mitgründer Nico Höler. Dabei kommt ihm zugute, dass er als studierter Wirtschaftsingenieur diese Grundlagen der Betriebswirtschaft genau kennt. Doch das bedeutet nicht, dass die Tec4med-Gründer alle anfallenden Aufgaben selbst erledigen würden, im Gegenteil: Das Einkaufen von tiefergehender Fachexpertise zahlt sich ihrer Überzeugung nach aus. Finanzen, Steuern, Zulassungen, Qualitätsmanagement – oder auch die rechtlichen Fallstricke bei der exakten Formulierung einer Bedienungsanleitung: Kein Gründer kann derart viele und hochkomplexe Themenbereiche allein abdecken.

Bild: Tec4Med
Bild: Tec4Med


„Wichtig ist, dass man diese sinnvollen Ausgaben einpreist. Deshalb sollte man stets konservativ kalkulieren, denn fast alles dauert immer länger und kostet mehr, als man am Anfang denkt“, gibt Nico Höler zu bedenken. Insbesondere in Hightech-Bereichen sind deshalb Geldgeber enorm wichtig. Für Tec4med bedeutete das, von Beginn an Kontakte herzustellen: an der Uni, bei Pitch-Veranstaltungen und bei Start-up-Treffen. „Der erste Investor ist tatsächlich immer der schwerste. Ist der aber einmal im Boot, wird es einfacher. Wir haben mit rund 50 potenziellen Investoren intensive Gespräche geführt, konnten uns dafür aber am Ende das passende Angebot aussuchen. Da hilft wirklich nur Klinkenputzen, und das so früh wie möglich“, rät Nico Höler.

Bild: Tec4Med
Bild: Tec4Med


Auch öffentliche Förderungen waren für das Darmstädter Start-up sehr wichtig: Vor allem das EXIST-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie und des Europäischen Sozialfonds sicherte die Anschubfinanzierung. „Viele Kollegen aus der Gründerszene beschäftigen sich zu wenig mit den vielfältigen Förderungsmöglichkeiten in Hessen, Deutschland und der EU. Dadurch verschenken sie bares Geld. Deshalb sollte sich jedes Start-up beraten lassen, was in seinem konkreten Fall möglich ist“, sagt Nico Höler. Für Tec4med hat sich das langwierige Fundraising in jedem Fall ausgezahlt: In den kommenden Monaten soll das internationale Team auf 20 Mitarbeiter wachsen, wobei die TU und die University of Applied Sciences in Darmstadt einen breiten Pool an qualifizierten neuen Kollegen bereitstellen. „Hessen bietet für unsere Branche perfekte Rahmenbedingungen – das macht es gerade am Anfang für ein Start-up leichter“, sagt Nico Höler.

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