StartHub Hessen

30.09.2021

Von den ersten Ideen in der Garage zum eigenen Patent

Vom Kinderzimmer über die Garage zum eigenen Unternehmen - was nach Start-up-Klischee klingt, war der Weg von Chris und Dennis Möbus. Nun steuern sie auf ihr zweites Patent zu.

Die Möbus-Brüder entwickeln ihre Software selbst und für jedes Projekt individuell. © Möbus Digital Solutions
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Unternehmensgründung in der Garage: Das Treburer Start-up „Möbus Digital Solutions“, das sich auf Software-Lösungen spezialisiert hat, ist 2017 mit seinen Innovationen ganz klischeehaft gestartet. Zuerst im Kinderzimmer im Haus der Eltern, später haben die Brüder Chris und Dennis Möbus ihre Arbeit auf den Keller und die Garage ausgeweitet. Mittlerweile haben die Gründer ein Büro in Wolfskehlen, einem Stadtteil von Riedstadt (Kreis Groß-Gerau) angemietet. „Wir wären natürlich lieber in Trebur geblieben, aber dort gab es leider keine passenden Räumlichkeiten“, sagt Dennis Möbus. Seit 2021 starten die beiden Treburer mit ihren maßgeschneiderten Software-Lösungen durch.

In der Garage sind damals die ersten Ideen und Prototypen entstanden, etwa ein Prüfverfahren für Lebensmitteltanks. Aus dieser Idee wurde ein Patent und die beiden Jung-Unternehmer Chris und Dennis Möbus haben ein Start-up gegründet. Mittlerweile bringt ein fünfköpfiges Team die Projekte nach vorne. Die kreativen Ideen, die genau im aktuellen Zeitgeschehen liegen, konzentrieren sich auf zwei Schwerpunkte: Spezielle Tank-Inspektionstechnik und cloudbasierte, maßgeschneiderte Software. Die Technik von komplexen Leiterplatten über mechanische Maschinenteile entwickelt das Start-up komplett selbst. Die Prototypen dafür kommen aus eigenen 3D-Druckern.

Chris und Dennis Möbus haben das Start-up „Möbus Digital Solutions“ gegründet, das sich auf Software-Lösungen spezialisiert hat. Bild: Chris und Dennis Möbus
Chris und Dennis Möbus haben das Start-up „Möbus Digital Solutions“ gegründet, das sich auf Software-Lösungen spezialisiert hat. Bild: Chris und Dennis Möbus

Heimatverbundenheit ist den Brüdern sehr wichtig. Sie kommen aus Trebur, haben ihr Büro im Gewerbegebiet in Wolfskehlen. „Für Start-ups bietet Hessen, besonders das Rhein-Main-Gebiet ideale Bedingungen“, erläutert Dennis Möbus. Die gute Breitbandversorgung an ihrem Standort ist für die Gründer ein wichtiger Punkt. „Wir haben in Frankfurt den weltgrößten Internetknotenpunkt. Unsere Büroräume in Wolfskehlen verfügen über schnelles und stabiles Internet. Das ist für unsere Arbeit unerlässlich.“ Auch die geographische Lage Hessens sei perfekt für junge Unternehmen. „Hessen liegt mitten in Deutschland, mitten in Europa. Von hier aus können wir unsere Kunden gut erreichen und sie uns“, erklären die Möbus-Brüder.

Im Kreis Groß-Gerau verfügen 98,1 Prozent der Haushalte über mehr als 50 Mbit/s und 51,5 Prozent über mehr als 1.000 Mbit/s, wie das Hessische Digitalministerium mitteilt. Bei den Gewerbestandorten sind es 96,8 Prozent, die über mehr als 50 Mbit/s verfügen sowie 21,5 Prozent mit mehr als 1.000 Mbit/s (Stand: Ende 2020). Zudem gibt es aktuell 159 modernisierte und acht neu errichtete Mobilfunkstandorte sowie 43 5G-Standorte im Kreis Groß-Gerau (Stand: Q1 2021).

Als studierter Wirtschaftsingenieur mit Fachrichtung Elektro- und Informationstechnik konnte Chris Möbus seine Leidenschaft zur Robotik und dem Programmieren einbringen. Sein Bruder und Mitgründer Dennis Möbus, der schon jahrelang als Fotograf tätig ist, hat das erforderliche Knowhow für Optik. Eine perfekte Synergie zum Entwickeln einer mittlerweile patentierten, mobilen, optischen Inspektionseinheit, welche eine seit Jahrzehnten bestehende Schwerstarbeit ablösen kann.

Ganz praktisch sieht das so aus: Die Innenwände von Lebensmitteltanks müssen regelmäßig kontrolliert werden, was ein schwieriges Unterfangen ist. Die Tanks haben einen Durchmesser von etwa fünf Metern. Normalerweise müssen Arbeiter in den Tank klettern und ein Gerüst aufbauen, um an alle Stellen zu gelangen. Eine aufwändige Prozedur, für die die Brüder eine einfachere Lösung gefunden haben. Ein Mast mit einer Kamera am oberen Ende. Dieser wird im Tank aufgestellt und über Druckluft gesteuert. Die Erfindung der Brüder liefert so Aufnahmen aus dem Innenraum des Tanks auf ein Tablet. Darüber lässt sich die Kamera auch steuern. Das Gerät haben die Gründer selbst entwickelt und gebaut. Die Software stammt von Chris Möbus.

Mit ihrem Produkt können Chris und Dennis Möbus die Innenräume von Tanks via Tablet oder PC kontrollieren. Bild: Möbus Digital Solutions
Mit ihrem Produkt können Chris und Dennis Möbus die Innenräume von Tanks via Tablet oder PC kontrollieren. Bild: Möbus Digital Solutions

Die Corona-Pandemie hat die Gründung und Auftragslage nicht negativ beeinflusst, eher im Gegenteil. „Durch die Probleme während der Pandemie haben viele Unternehmen erst gemerkt, dass sie Defizite in ihrer eigenen Digitalisierung haben“, erklärt Dennis Möbus. Auf der anderen Seite hat Corona persönliche Besprechungen und Vor-Ort-Termine erschwert. „Aber über Online-Meetings konnten die Entwicklungen auch in Krisenzeiten gut weitergeführt werden“, sagt Chris Möbus.

Chris Möbus hat seine Leidenschaft im Programmieren gefunden. Was er entwickelt, hört sich für den Laien komplex an. „Ist es aber nicht“, wie der Gründer versichert. „Wochenlange Schulungen braucht es für die Softwarepakete nicht. Die Nutzerfreundlichkeit und einfache Handhabung haben bei uns die größte Priorität. Das kommt auch bei den Kunden gut an“, sagte Chris Möbus. „Niemand will ein Programm, das keiner versteht.“

An erste Stelle steht daher eine einfache und verständliche Visualisierung, damit jeder Kunde mit einfachen Bedienelementen schnell zum Ziel kommt. So werden beispielsweise bei Dokumentationsautomatisierungen die alten Dokumente rekonstruiert und mit den von der Software generierten Daten vollautomatisch gefüllt. Der Nutzer kann sich so an den Umgang mit der Software gewöhnen und gleichzeitig mit vertrauten Dokumenten weiterarbeiten. Nach der Eingewöhnung können diese bei Bedarf generiert und angepasst werden, wodurch eine weichere Digitalisierung ermöglicht wird. „Prinzipiell können interessierte Kunden mit jedem Problem zu uns kommen, dass sie gerne digital gelöst hätten. Die Branche spielt dabei keine Rolle“, sagte Dennis Möbus.

Die nächsten Ideen für die Zukunft gibt es bereits. Ein weiteres Patent soll angemeldet werden. „Worum es genau geht, wird natürlich noch nicht verraten“, sagt Chris Möbus. Als langfristiges Ziel möchten die Treburer in innovativen Thematiken rund um Robotik und Software tätig sein und die Inspektionstechnik revolutionieren. „Wir wollen unseren Kunden damit das Leben leichter machen.“ Damit die Arbeit voran geht, soll der nächste Mitarbeiter in den nächsten Wochen eingestellt werden. Wohin die Reise gehen wird, ist noch unklar. Motiviert sind die Treburer Jungs aber schon jetzt. „Wir möchten 2021 richtig durchstarten!“

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