Im Fokus: Wie der Company Builder von HIGHEST Start-ups beim Wachsen hilft
Aus bahnbrechenden wissenschaftlichen Ideen erfolgreiche Start-ups formen: Dieses Ziel verfolgt der Company Builder an allen Hochschulen in Hessen. So funktioniert das Programm.
© HIGHEST/Engineers4Innovation/Modulux3D
Wenn Harald Holzer die Start-up-Landschaft rund um die TU Darmstadt betrachtet, fällt ihm momentan ein „Death Valley“ auf. „Tal des Todes“, damit beschreibt der Geschäftsführer von HIGHEST, dem Innovations- und Gründungszentrum der TU, das Phänomen, dass aus der Universität heraus zwar schon jetzt zahlreiche Gründerteams mit Start-ups an den Start gehen. Viele stehen allerdings schon früh vor großen Problemen, etwa weil sie nicht genug Kunden gewinnen können. „Dann findet oft keine zweite Finanzierungsrunde mehr statt“, weiß Holzer. So geht derzeit noch zu vielen möglicherweise vielversprechenden Start-up-Projekten frühzeitig die Luft aus.
Eine Ursache für dieses „Death Valley“-Phänomen sieht Holzer darin, dass es sich bei der TU um eine technische Universität handelt. „Viele Start-ups sind technisch top, aber es fehlt die Kompetenz in Sachen Business.“ Genau dieses Problem will HIGHEST mit einem neuen Angebot für Start-up-Gründer aus dem Umfeld von Hochschulen lösen: dem Company Builder.
Aus bahnbrechenden wissenschaftlichen Ideen sollen erfolgreiche Unternehmen entstehen
Mit dem Company Builder verfolgt HIGHEST ein zentrales Ziel: Aus bahnbrechenden wissenschaftlichen Ideen sollen erfolgreiche Unternehmen entstehen. Dieses Ziel erreicht HIGHEST im Grundsatz schon heute. Doch das Team will die Schlagzahl deutlich erhöhen: „Wir wollen von einem Start-up pro Monat, das bei uns an der TU Darmstadt entsteht, auf ein Start-up pro Woche kommen“, sagt Holzer. Damit wolle man einen Beitrag zum Ziel der 2025 gestarteten Start-up-Factory Futury leisten. Diese hat sich vorgenommen, bis 2030 im Rhein-Main-Gebiet insgesamt 1.000 neue Start-ups, insbesondere aus dem Hochschul-Umfeld, zu schaffen. Um ihre Ziele zu erreichen, arbeiten HIGHEST und Futury eng zusammen – zudem gehört die TU Darmstadt zu den Eigentümerinnen der Start-up-Factory.
Harald Holzer, Geschäftsführer HIGHEST Innovations- und Gründungszentrum der TU Darmstadt
"Wir wollen von einem Start-up pro Monat, das bei uns an der TU Darmstadt entsteht, auf ein Start-up pro Woche kommen."
Um den technisch versierten Start-ups aus dem Hochschulumfeld in ihrer frühen Gründungsphase über das schwierige „Death Valley“-Terrain hinwegzuhelfen, stellt ihnen der Company Builder erfahrene Experten mit reichlich Business-Expertise zur Seite. „Im Wesentlichen geht es in dieser ersten Phase des Company Builders um drei Punkte“, sagt Holzer. „Wir ermöglichen professionelles Mentoring, schaffen Verbindlichkeit durch die Vereinbarung klarer Ziele und organisieren für die Start-ups Zugang zu für sie relevanten Netzwerken.“
In der ersten Phase, der Compass-Phase, erhalten Start-ups Zugang zum Mentoren-Netzwerk des Company Builders und ein Budget, um einen dieser Mentoren zu engagieren. Insgesamt ist die Compass-Phase auf eine Laufzeit von drei bis vier Monaten angelegt.
Seit November 2024 haben zehn Start-ups den Company Builder durchlaufen
Seit dem Start des Company Builders im November 2024 haben insgesamt zehn Start-ups die Compass-Phase durchlaufen. Dabei richtet sich das Angebot, das finanziell auch vom Land Hessen gefördert wird, nicht nur an Start-ups der TU Darmstadt. „Die Teilnahme ist für Start-ups aller hessischen Hochschulen offen“, betont Holzer. Das zeigt sich auch beim Blick auf die bisherigen Teams. Diese stammen neben der TU Darmstadt auch von der Hochschule Darmstadt, der Goethe-Universität Frankfurt sowie der Universität Marburg.
Um sich für den Company Builder bewerben zu können, müssen Start-ups dennoch einige Voraussetzungen erfüllen. Neben einem Proof of Concept und einer ersten strategischen und operativen Planung, kommt es auf die Veränderungsbereitschaft und Kooperationsfähigkeit des Teams an. Außerdem legt der Company Builder einen inhaltlichen Fokus auf bestimmte Branchen und Märkte. Dazu gehören KI und Maschinelles Lernen, Quantencomputing, Biotechnologie & synthetische Biologie, Materialwissenschaften, Industrie 4.0 & Automobilindustrie, Diagnostik & Präzisionsmedizin sowie Energie- & Umwelttechnologien.
Erste Phase des Company Builders macht Start-ups bereit für Angel-Investments oder öffentliche Förderung
Am Ende der ersten Phase des Company Builders sollen die Start-ups bereit für Angel-Investments oder öffentliche Förderung, beispielsweise im Rahmen von Distral oder des Exist-Forschungstransfers sein, erklärt Holzer: „Unser Ziel ist es, dass 20 Prozent der Start-ups aus der ersten Phase ein solches Investment oder eine Förderung tatsächlich erhalten.“ Dieses Ziel wurde im Jahr 2025 bereits erreicht: Zwei Start-ups aus dem Company Builder haben eine öffentliche Förderung in Höhe von insgesamt rund zwei Millionen Euro erhalten.
Eines davon ist das Frankfurter Start-up Modulux3D, das eine laserbasierte 3D-Bioprinting-Technologie entwickelt, um pharmazeutische Testverfahren zu optimieren und die Entwicklung von Arzneimitteln durch realistische menschliche Gewebemodelle zu revolutionieren. Im Anschluss an den Company Builder hat Modulux3D eine Förderung aus dem Distral-Programm des Hessischen Digitalministeriums erhalten. „Mit dem Geld aus der Förderung konnten wir fünf Personen einstellen, die in Vollzeit an der Weiterentwicklung unseres Produkts arbeiten“, berichtet Mitgründer Levin Hafa. „Für uns ist das ein riesiger Mehrwert.“
Levin Hafa, Mitgründer von Modulux3D
"Durch unseren Mentoren haben wir 30 Jahre Erfahrung in unser Start-up hereinbekommen. Gleichzeitig hatten wir durch ihn einen Anknüpfungspunkt in die Business-Welt. Die Möglichkeit, sein Netzwerk zu nutzen, war für uns sehr hilfreich."
Doch auch abseits der erfolgreichen Bewerbung für die Distral-Förderung habe Modulux3D stark von der Teilnahme am Company Builder profitiert – durch die Zusammenarbeit mit Rainer Hetzer, Mentor und Business Coach. „Durch Rainer Hetzer haben wir 30 Jahre Erfahrung in unser Start-up hereinbekommen“, betont Hafa. „Gleichzeitig hatten wir durch ihn einen Anknüpfungspunkt in die Business-Welt. Die Möglichkeit, sein Netzwerk zu nutzen, war für uns sehr hilfreich.“
Wie wichtig dieser Netzwerkzugang für Start-ups ist, weiß auch Bernd Hetterscheid. Der Coach und Angel Investor ist als Mentor im Company Builder aktiv und hat dort das auf die Entwicklung neuer Sensoren zur Messung von Beschleunigung, Schwingung und Kraft spezialisierte Darmstädter Start-up Mimosense betreut. „Gründern fehlt gerade zu Beginn oft Erfahrung, ein Netzwerk und ein klarer Fokus“, sagt Hetterscheid. Hier könne man als Mentor wertvolle Hilfestellung leisten. Neben Unterstützung bei der Markt- und Geschäftsentwicklung gehe es auch darum, Türen zu großen Unternehmen zu öffnen, um diese für das Start-up als Kunden oder Kooperationspartner zu gewinnen.
Bernd Hetterscheid, Start-up-Mentor
"Gründern fehlt gerade zu Beginn oft Erfahrung, ein Netzwerk und ein klarer Fokus. Hier können Mentoren wertvolle Hilfestellung leisten."
Im Fall von Mimosense habe man gemeinsam mit dem Gründerteam im Rahmen des Company Builders die Geschäftsidee fokussiert sowie unterschiedliche Zielmärkte und -kunden angesprochen und erfolgreich für die Lösung des Start-ups begeistert, berichtet Hetterscheid: „Dabei wurden diverse Testeinsätze in den Zielmärkten vereinbart, die jetzt in Vorbereitung sind.“
Für das Jahr 2026 plant HIGHEST derweil neben der Fortsetzung der Compass-Phase den Start der zweiten Phase des Company Builders. In dieser Horizon-Phase erhalten ausgewählte Start-ups eine Kapitalbeteiligung von bis zu 50.000 Euro in Form eines Wandeldarlehens. Inhaltlich liegt der Fokus bei Horizon auf Teamaufbau, Product-Market-Fit und VC-Readiness. „Am Ende der zweiten Phase sollen die Start-ups bereit für Venture Capital-Investments sein“, sagt Holzer. Wie in Phase eins ist die Laufzeit bei Horizon erneut auf drei bis vier Monate angelegt. „Theoretisch ist es so möglich, ein frühphasiges Start-up innerhalb von einem Jahr bereit für eine Finanzierung durch Venture Capital-Investoren zu machen“, umreißt Holzer den idealen Ablauf, der in der Realität allerdings nicht immer eintreffen wird – etwa, weil ein Mitglied des Gründerteams parallel noch an einer Dissertation arbeitet.
Company Builder will Start-ups nachhaltig erfolgreich machen
Eine Bewerbung für die zweite Phase des Company Builders steht im Übrigen auch Start-ups offen, die nicht an der ersten Phase teilgenommen haben. Nach einer Online-Bewerbung entscheidet in beiden Phasen ein Gremium aus HIGHEST-Mitarbeitern, Mentoren, Vertretern von Gründerzentren sowie externen Experten darüber, welche Start-ups ins Company Builder-Programm aufgenommen werden.
Mit dem Company Builder wolle man nicht nur die absoluten Start-up-Zahlen in Hessen erhöhen, sondern Start-ups auch nachhaltig erfolgreich machen, betont Holzer. „Damit leisten wir einen positiven Beitrag für unsere Gesellschaft, aber auch für unsere Wirtschaftsleistung“, ist der HIGHEST-Geschäftsführer überzeugt. Geht es nach ihm, soll es mit Hilfe des Company Builders auch im einstigen Start-up-„Death Valley“ schon bald kräftig zu blühen beginnen.
Auch interessant für dich
Infos zur push!-Bewerbung im StartHub-Lunchbreak
Was müssen Start-ups bei einer Bewerbung für das push!-Stipendium des Landes beachten – speziell bei der Finanzplanung? Für diese und weitere Fragen standen am 13. Januar Experten Rede und Antwort.
Hessen Ideen Stipendium geht 2026 in die nächste Runde
Gründerinnen und Gründer mit innovativen Geschäftsmodellen aus einer hessischen Hochschule können sich wieder für das Hessen Ideen Stipendium bewerben. Die Bewerbungsfrist endet am 12. März.
Zahl der Start-up-Neugründungen in Hessen steigt um 29 Prozent
In Hessen wurden im Jahr 2025 deutlich mehr Start-ups gegründet als ein Jahr zuvor. 247 neue Start-ups wurden im vergangenen Jahr landesweit registriert. Das geht aus einer Analyse des Startup Verbands hervor.