StartHub Hessen
Plattform zur internationalen Fachkräfte-Rekrutierung

Wie ein Frankfurter Start-up bei der Suche nach den besten Tech-Talenten der Welt hilft

Talents2Germany bringt deutsche Start-ups und Unternehmen mit passenden Tech-Spezialisten und Ingenieuren aus über 50 Ländern zusammen. Eine digitale Plattform und innovative Ansätze sollen helfen, den Fachkräftemangel in Deutschland zu verringern.

Logo mit stilisierter Figur, die einen pinkfarbenen Papierflieger wirft, daneben der Schriftzug 'Talents2Germany' und darunter der Slogan 'BUILDING THE FUTURE!'
Kategorie
Recruiting & HR-Tech
Reportage
Standort
Frankfurt
Gründungsjahr
2023
Stand vom 17.03.2026

Akuter Fachkräftemangel ist in der deutschen Wirtschaft in vielen Branchen schon seit Langem ein zentrales Thema. Und doch gibt es Fälle wie jenen, von dem Eleonore Wall berichtet: Eine IT-Fachkraft aus dem Iran, die gerne in Deutschland arbeiten möchte. In einer Branche, die großen Bedarf an qualifiziertem Personal hat. Und dennoch musste der IT-Experte 300 Bewerbungen schreiben, um eine einzige Einladung zu einem Vorstellungsgespräch zu erhalten.

Erfolgreiche Jobvermittlung zeigt Potenzial für Geschäftsmodell auf

Die Jobsuche des Iraners fand im Jahr 2022 statt – und als Eleonore Wall davon erfuhr, wurde sie aktiv. „Ich habe den Bewerber gecoacht, wir haben gemeinsam seine Unterlagen überarbeitet“, berichtet Wall. Am Ende hatte der Kandidat fünf Jobangebote deutscher Firmen zur Auswahl. Ein Erfolgserlebnis, das bei Wall eine Frage auslöste: Lässt sich daraus nicht ein Geschäftsmodell machen?

Das Gründerteam von Talents 2Germany, Eleonore Wall und Marek Scheier 17.3.2026

Die knappe Antwort vorweg: Ja, es lässt sich. 2023 gründete Wall mit Co-Founder Marek Scheier, der zuvor ebenfalls bereits in der Personalvermittlung tätig war, das in Frankfurt ansässige Start-up Talents2Germany. Das Ziel: Mit einem innovativen Ansatz internationalen Fachkräften den beruflichen Neustart in Deutschland zu ermöglichen – und gleichzeitig dem Fachkräftemangel hierzulande entgegenzuwirken. „Außerdem wollen wir Start-ups Zugang zu den stärksten Tech-Talenten global ermöglichen“, erklärt Wall.

Der Aufbau global arbeitender Teams wird für Talents2Germany immer wichtiger

Angefangen hat Talents2Germany damit, Fachkräfte physisch nach Deutschland zu bringen. Inzwischen baut das Start-up im Auftrag seiner Kunden immer mehr global und remote arbeitende Teams auf. Dies sei ein Weg, um deutsche Unternehmen und Start-ups international wettbewerbsfähig zu halten, betont Wall. Dabei handele es sich nicht um klassisches Outsourcing – sondern um Teams, die direkt an die Unternehmen in Deutschland angebunden sind.

Der Fokus bei Talents2Germany liegt auf Tech-Spezialisten und Ingenieuren

Dabei bearbeitet Talents2Germany nicht jede Branche, in der in Deutschland gerade Bedarf an Fachkräften herrscht, sondern fokussiert sich auf Tech-Spezialisten und Ingenieure. Der Ansatz, um internationale Talente langfristig an deutsche Unternehmen zu vermitteln, ist mehrstufig.

Remote-Probezeit im Patronship-Programm von Talents2Germany

Bevor Fachkräfte in ihrer Heimat Haus und Hof verkaufen und in ein unbekanntes Land mit einer fremden (Arbeits-)Kultur übersiedeln, wird zunächst ausschließlich remote aus dem Heimatland heraus gearbeitet. „Der große Vorteil dieses Vorgehens ist, dass man sich kennenlernt – und zwar in beide Richtungen“, betont Wall. Nicht nur für den Arbeitnehmer wird das Risiko, in ein fremdes Land auszuwandern, durch die Remote-Probezeit geringer. Auch der Arbeitgeber in Deutschland weiß so deutlich besser, wen er häufig aus einem Land außerhalb der EU nach Deutschland holt – ein Schritt, der durchaus mit einem gewissen finanziellen und bürokratischen Aufwand verbunden ist.

Gruppenansicht von 15 Personen in einem Videoanruf, alle zeigen Daumen hoch, mit unterschiedlichen Hintergründen in ihren jeweiligen Räumen

Eine solche Remote-Probezeit heißt bei Talents2Germany Patronship. Während dieses Programms arbeiten die Fachkräfte nicht nur in einer Art grenzübergreifenden Dauer-Homeoffice bei ihrem neuen Arbeitgeber in Deutschland mit. Sie werden gleichzeitig auch vom Talents2Germany-Team an die Hand genommen: Neben Sprachkursen steht Wissen über deutsche Kultur und Gepflogenheiten auf dem Lernplan. Wo erforderlich, hilft Talents2Germany dabei, fachliche Wissenslücken zu identifizieren und zu füllen. Gleichzeitig unterstützt das Start-up bei den Visa- und Einwanderungsformalitäten. Die Arbeitgeber nehmen Wall und ihr Team ebenfalls in den Blick: „Wir erklären den Vorgesetzten beispielsweise, worauf es ankommt, wenn man ein internationales Team führt.“

Oberkörper einer Person mit hochgestecktem Haar, die einen schwarzen Blazer mit silbernen Knöpfen, einen hellen Schal und auffällige Ohrringe trägt © Talents2Germany GmbH
Eleonore Wall
Gründerin und CEO Talents2Germany

„Wir helfen Start-ups dabei, Mitarbeiter zu finden, zu wachsen und Innovationen zu schaffen. Davon profitiert am Ende der gesamte Wirtschaftsstandort Deutschland.“

Insbesondere für andere Start-ups sei das Angebot von Talents2Germany attraktiv, ist Wall überzeugt. „Einen Mitarbeiter zunächst global remote einzustellen, kostet 30 Prozent von dem, was ein Mitarbeiter in Deutschland kosten würde.“ Gerade zu Beginn, wenn das Kapital knapp ist, sei das für flexible Start-ups eine attraktive Möglichkeit, betont die Gründerin – und eine mit großem Mehrwert. „Wir helfen Start-ups dabei, Mitarbeiter zu finden, zu wachsen und Innovationen zu schaffen. Davon profitiert am Ende der gesamte Wirtschaftsstandort Deutschland.“

Potenzielle Mitarbeiter werden in mehr als 50 Zielländern rekrutiert

Potenzielle Mitarbeiter in insgesamt über 50 Zielländern wie Pakistan, Indien, Kenia, Nigeria, Albanien, Serbien oder Moldau spricht Talents2Germany auf unterschiedlichen Wegen an. Rund 72.000 potenzielle Arbeitskräfte seien derzeit in der Datenbank von Talents2Germany registriert. Hinzu kommen rund 600 Partner vor Ort, die die lokale Ansprache potenzieller Kandidatinnen und Kandidaten übernehmen.

Geld verdient das Start-up an der Marge, die in den monatlichen Zahlungen im Rahmen des Patronship-Programms bereits enthalten ist. Je nach Herkunftsland des Mitarbeiters zahlen Arbeitgeber zwischen 1.500 und 2.500 Euro im Monat. Darüber hinaus bietet Talents2Germany Team-Trainings an, um global verteilte Teams schnell zu einer leistungsstarken Einheit zu formen.

Auch bei Talents2Germany arbeitet das Team in unterschiedlichen Ländern

Das Bilden von globalen Teams ist nicht nur wesentlicher Bestandteil des Geschäftsmodells von Talents2Germany, das Start-up lebt es auch als Teil der eigenen Unternehmenskultur. Zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten in Vollzeit global vernetzt für das Start-up. Wall und Scheier halten von Deutschland aus die organisatorischen Fäden zusammen. Eines ist dabei für die Mitgründerin wichtig: „Egal von wo aus wir arbeiten, wir arbeiten alle gleichzeitig, höchstens eine Stunde versetzt.“ So soll der Austausch im Team, das regelmäßig zu Videocalls zusammenkommt, sichergestellt werden. Um das zu schaffen, arbeitet das Team in nah aneinanderliegenden Zeitzonen. Unternehmen könnten durch globales Arbeiten aber auch ganz andere Bedürfnisse abdecken. „Wir haben Teams, die durch Mitarbeiter in unterschiedlichen Zeitzonen eine 24-Stunden-Erreichbarkeit sicherstellen“, sagt Wall. Dann besteht das Team beispielsweise aus Fachleuten aus Europa und Südostasien.

Oberkörper einer Person mit hochgestecktem Haar, die einen schwarzen Blazer mit silbernen Knöpfen, einen hellen Schal und auffällige Ohrringe trägt © Talents2Germany GmbH
Eleonore Wall
Gründerin und CEO Talents2Germany

„Wir wollen unsere HR-Tech-Plattform zur Vermittlung von Arbeitskräften weiter ausbauen, damit sie noch stärker automatisiert und KI-basiert arbeitet.“

Mit Blick auf die Zukunft von Talents2Germany möchte Wall gerne den technologischen Ansatz des Start-ups stärken. „Wir wollen unsere HR-Tech-Plattform zur Vermittlung von Arbeitskräften weiter ausbauen, damit sie noch stärker automatisiert und KI-basiert arbeitet.“ So könnte man potenziellen Arbeitskräften etwa automatisiert Empfehlungen an die Hand geben, mit welchen zusätzlichen Fähigkeiten sie noch attraktiver für potenzielle Arbeitgeber in Deutschland werden. Gleichzeitig soll die Weiterentwicklung zur Tech-Plattform das Skalierungspotenzial des Start-ups stärken. „Auf diese Weise wollen wir noch deutlich mehr Fachkräften den Start in den deutschen Arbeitsmarkt ermöglichen“, erklärt Wall.

Kontakt zu Talents2Germany GmbH

Eleonore Wall

Geschäftsführerin