Wie ein Wiesbadener Start-up mit KI langfristige Lernerfolge schaffen will
Wissen, das sich Schülerinnen und Schüler mit Hilfe von KI aneignen, bleibt oft nicht lange im Gedächtnis, sagt der Wiesbadener Sky Böhme. Das will er ändern – und hat mit seinem Start-up Studki einen eigenen KI-Ansatz entwickelt. Wie der genau funktioniert.

Wenn Sky Böhme über Schulen und das Lernverhalten von Schülerinnen und Schülern spricht, kennt er seine Zielgruppe genau. Schließlich ist es bei dem heute 21-Jährigen selbst noch nicht lange her, dass er für sein Abitur lernte. Und dabei eine interessante Beobachtung machte. „Als ich vor drei Jahren in der Oberstufe war, hat der ganze Jahrgang mit dem KI-Dienst ChatGPT gearbeitet“, erinnert sich Böhme. Dabei sei allerdings der langfristige Lernerfolg ausgeblieben. „Das war das Prinzip Bulimie-Lernen. Die von ChatGPT aufbereiteten Inhalte konnten viele kurzfristig behalten, allerdings war das Wissen nicht von Dauer.“
KI-Chatbots liefern nützliche Zusammenfassungen – aber keine Lösungswege
Diese Beobachtung führte Böhme zu einer Frage, die den Grundstein für sein späteres Geschäftsmodell legen sollte: Wie lässt sich Künstliche Intelligenz so konfigurieren, dass sie Schülerinnen und Schülern nicht nur kurzfristig für die nächste Prüfung hilft, sondern langfristige Lernerfolge schafft? Ein zentrales Problem aus Sicht des Wiesbadeners: Bisherige KI-Chatbots bieten den Lernenden zwar nützliche Zusammenfassungen des Unterrichtsstoffs – helfen aber nicht dabei, Lösungsweg und Zusammenhänge zu verstehen. Genau das, so Böhmes Überzeugung, brauche es aber für einen langfristigen Lernerfolg.
© Studki UG
„Unsere KI liefert nicht einfach fertige Lösungen, sondern begleitet Schülerinnen und Schüler schrittweise beim eigenständigen Lernen.“
Da der Wiesbadener nach eigenen Recherchen und Gesprächen mit Schulleitungen einen Bedarf für eine solche KI-basierte Lernplattform erkannte, aber kein passendes und erschwingliches Angebot am Markt fand, entschloss er sich, selbst eine Lösung zu entwickeln. „Schon als Schüler habe ich Erfahrung mit KI-Programmierung gesammelt“, berichtet Böhme. Nachdem er im Sommer 2025 das Abitur in der Tasche hatte, nahm sein Start-up-Projekt Fahrt auf. Bei seinem ersten Prototyp lief zunächst noch ChatGPT im Hintergrund, später stellte er auf das eigene KI-Modell um. Mit seinem ersten Pilotprodukt ging er auf Schulen und Experten zu, im Juni 2026 wurde Studki offiziell gegründet. Nach einer erfolgreichen Testphase mit mehreren Schulen ging die Plattform des Start-ups Anfang September live. Mittlerweile verfügt Studki über eine eigene KI-Architektur mit spezialisierten Modellen und pädagogischen Lernmechanismen – ein wesentlicher Unterschied zu klassischen KI-Chatbots, betont Böhme. „Natürlich sammeln wir auch heute noch weiter Erfahrungen und lassen diese in unser Produkt einfließen.“
Rund 10.000 Schülerinnen und Schüler an 14 Schulen nutzen Studki aktuell
Studkis wesentliche Zielgruppe sind Schulen: Rund 10.000 Schülerinnen und Schüler nutzen die Studki-Plattform aktuell, verteilt auf 14 Schulen. „Wir haben unterschiedliche Schulformen unter unseren Kunden, Integrierte Gesamtschulen und Gymnasien ebenso wie Realschulen“, sagt Böhme. Insgesamt kommen über die Schulen derzeit rund 95 Prozent der Nutzenden auf die Plattform. Ein kleinerer Teil sind Endkunden aus dem B2C-Bereich, wenn Eltern direkt für ihre Kinder einen Zugang auf der Plattform finanzieren. „42 weitere Schulen befinden sich derzeit in der Testphase“, sieht Böhme die Kundenpipeline für den Moment gut gefüllt.

Doch warum entscheiden sich die Schulleitungen für das Angebot des jungen Start-ups? „Unsere Software lässt sich gut an den Bedarf der jeweiligen Schulen anpassen“, sagt Böhme. „Hinzu kommt, dass viele Schulen bereits andere Lernplattformen nutzen und wir im Vergleich zu vorhandenen Anbietern mit unserer Lösung oft ein Einsparpotenzial aufzeigen können.“ Nicht zuletzt sieht Böhme im pädagogischen Mehrwert der Plattform ein Alleinstellungsmerkmal von Studki: „Unsere KI liefert nicht einfach fertige Lösungen, sondern begleitet Schülerinnen und Schüler schrittweise beim eigenständigen Lernen. Gleichzeitig unterstützen wir Lehrkräfte mit individuellen Fördermöglichkeiten und digitalen Werkzeugen.“ Man wolle KI „nicht einfach in die Bildung bringen“, unterstreicht Böhme: „Sondern wir wollen KI so gestalten, dass sie eigenständiges Denken fördert und Lehrkräfte sinnvoll unterstützt.“
Nach Hauptsitz in Wiesbaden entsteht erste Studki-Niederlassung in Leipzig
Dass Nachfrage auf Seiten der Kunden vorhanden ist, zeigt der Blick auf die Strukturen des selbst für Start-up-Verhältnisse noch jungen Unternehmens, bei dem die Zeichen ein knappes halbes Jahr nach Gründung bereits auf erstes Wachstum stehen. Ursprünglich startete Böhme Studki als Co-Founder gemeinsam mit seiner Frau. Mittlerweile arbeiten fünf Personen fest für das Start-up, darunter eine Vollzeit-, zwei Teilzeit- und zwei Minijob-Stellen. Zuletzt wurde nach dem Hauptsitz in Wiesbaden, dort ist Studki im Gründerzentrum Heimathafen ansässig, in Leipzig die erste Niederlassung eröffnet. Auf diese beiden Regionen verteilt sich derzeit im Wesentlichen auch der Schul- und Kundenkreis des Start-ups. „Knapp die Hälfte unserer Schulen befindet sich in Hessen, die andere Hälfte im Raum Leipzig/Halle und einige wenige kommen aus Baden-Württemberg“, umreißt der Gründer.
© Studki UG
„Wir möchten erreichen, dass die Zugangshürden zu hochwertiger KI-Bildung möglichst gering sind.“
Derzeit arbeitet Studki mit einem nutzerbasierten Software-as-a-Service-(Saas-)Geschäftsmodell – Kunden zahlen also abhängig von der Zahl der Nutzerinnen und Nutzer. Das Geschäftsmodell möchte Böhme, der neben der Arbeit im eigenen Start-up Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt auf KI an der Hochschule Fresenius in Wiesbaden studiert, perspektivisch gerne auf ein breiteres Fundament stellen. „Wir möchten erreichen, dass die Zugangshürden zu hochwertiger KI-Bildung möglichst gering sind“, sagt der Wiesbadener mit Blick auf die Nutzungsgebühren und ihre Höhe. Dazu passt, dass seit dem 15. Oktober auch eine kostenfreie Variante namens Studki Free zur Verfügung steht. Statt ausschließlich auf Nutzungsentgelte zu setzen, möchte das Start-up perspektivisch auch weitere Erlösmodelle, etwa individuelle Bildungsanwendungen, Partnerschaften und Dienstleistungen, erschließen.
Viele Anwendungsfälle für Studki-Plattform denkbar
Langfristig möchte Böhme Studki zudem inhaltlich breiter aufstellen, auch über den Horizont von Schulen hinaus. „Unser Ziel ist es, ganz allgemein ein Partner für Wissensvermittlung zu werden. Dafür möchten wir ein KI-Modell bieten, das jeder in seinen Bildungsanwendungen nutzen kann, sei es in der internen Wissensvermittlung von Unternehmen oder zur Unterstützung bestimmter Personengruppen wie älteren Menschen, denen man die Funktionsweise von Steuer-Tools oder digitalen Endgeräten erklären könnte.“ Die Palette potenzieller Anwendungsfälle ist breit, betont der Gründer. Klar ist für ihn trotz aller Gedankenspiele zur Diversifizierung aber auch: „Schulen werden für uns weiterhin der Hauptfokus sein.“